Politikwissenschaft  – Ausbildung zum Politiker?

 

Was ich oft gefragt werde ist, ob das Studium der Politikwissenschaft die perfekte Ausbildung zum Politiker sei. Darauf kann ich mit einem schmunzelnden „nein“ antworten. Natürlich gibt es Politiker, die vor ihrer Karriere ein Studium der Politologie abgeschlossen haben, beispielsweise Herr Gregor Amann (SPD) oder Herr Christian Lindner (FDP). Aber schauen wir in den Bundestagen, finden wir eher Juristen, Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler oder Physiker, wie etwa unsere Kanzlerin.

Allerdings schadet ein Studium der Politikwissenschaft oder Sozialwissenschaft meiner Meinung nach nicht, wenn man eine Karriere in der Politik anstreben möchte. Das Studium setzt den Schwerpunkt darauf, den Studierenden beizubringen, wie komplexe politische Prozesse zu analysieren und zu bewerten sind. Klar im Vordergrund stehen dabei die Verhältnisse zwischen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Recht.

Ein weiter Teil des Studiums ist die Lehre der systemwissenschaftlichen Analyse von politischen Strukturen, die Regierungslehre und die Politikfeldforschung oder Spezialfragen der Soziologie von politikwissenschaftlicher Relevanz, also zum Beispiel von Unternehmen. Besonders wichtig gelten aktuell jegliche Veranstaltungen zu den politischen Prozessen rund um die Europäische Einigung und den institutionell-organisatorischen Aspekten der Europäischen Union, da sie meist die aktuelle Situation der Europäischen Union aufgreifen und die Studierenden so das Geschehen und die Resultate zeitnah verfolgen können.

An vielen Universitäten kann Politikwissenschaft in 6 Fachsemestern im Kern- aber auch im Ergänzungsfach studiert werden. Somit besteht die Möglichkeit, sein Interessenfeld auch breit zu fächern – Politik hat ja auch verschiedene Teilbereiche. Warum das so wichtig ist, erklärt sich relativ einfach; je mehr Blickwinkel man hat, desto besser sind schlussendlich die Thesen, Beispiele und Argumente, die man liefern kann. Natürlich kann man sich auch mit einem komplett anderen Studium – wie zum Beispiel einem Medizinstudium – in der Materie auskennen, gute Thesen und Argumente liefern und so sein Können unter Beweis stellen. Allerdings muss man sich dieses Wissen unabhängig aneignen, was bei einem Politikwissenschafts-Studium während des Studiums erlernt wird. Es ist also nicht zwingend notwendig, Politikwissenschaft zu studieren um ein (guter) Politiker zu sein. Aber es ist ein netter Bonus.

Wer Politikwissenschaften und die Berufsaussichten später einmal gegoogelt hat, dem wird aufgefallen sein, dass relativ wenig Politologen als Politiker arbeiten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Studium drei große Orientierungsrichtungen ihren Studierenden abfordert. Diese nennen sich die investigative, also die forschende, intellektuelle Orientierung, die unternehmerische und die künstlerische Orientierung. Deshalb finden sich Politologen in allen Berufsschichten. Egal ob Journalismus, medienorientierte Jobs, Marktforschung oder natürlich Parteiberatung oder -forschung. Und um realistisch zu bleiben; das Studium der Politikwissenschaft ist natürlich sehr theoretisch. Das Ziel der Professoren und Dozenten ist es nicht, aus Ihren Studierenden die perfekten Politiker zu machen, sondern Ihnen nahe zu bringen, was hinter politischen Prozessen steckt. Dies muss man sich immer vor Augen führen.